Die Rickettsiose

Oktober 5, 2020

Zecken sind der Schrecken der warmen Jahreszeit. Alle Jahre wieder ertönen schon früh im Jahr die Warnungen vor den blutsaugenden Milben. Die große Gefahr, die von den kleinen Spinnentieren ausgeht, ist die Tatsache, dass viele Arten Krankheiten auf ihre Wirte übertragen können.

Zu den gefährlichsten Erkrankungen, die ein Zeckenbiss nach sich ziehen kann, zählen die Frühsommermeningoenzephalitis und die Borreliose. Während es gegen FSME eine Vorsorgeimpfung gibt, ist gegen Borreliose noch keine Prophylaxe bekannt. Was viele noch nicht wissen, ist, dass die Parasiten noch weitere sehr unangenehme Erkrankungen übertragen können.

Die Rickettsiosen sind eine Gruppe von Erkrankungen, die durch Bakterien ausgelöst werden, die auf der ganzen Welt verbreitet sind. Einige davon sind regional begrenzt aufzufinden. Es muss also nicht immer eine Infektion mit Borrelien sein, wenn nach einem Zeckenbiss Krankheitssymptome auftreten.

 

Was ist Borreliose?

Das ist ein Überbegriff für mehrere bakterielle Infektionskrankheiten, die durch Borrelien ausgelöst werden. Sowohl Menschen als auch Säugetiere können an dieser Krankheit leiden. Übertragen werden die schraubenförmigen Bakterien durch blutsaugende Insekten. Als Hauptüberträger gilt die Zecke, genauer gesagt der Gemeine Holzbock. Die in unseren Breiten am häufigsten vorkommende Art der Erkrankung ist die Lymeborreliose.

In der Regel treten erste Symptome nach einer Inkubationszeit von etwa drei Tagen bis zu mehreren Wochen auf. Typisches Anzeichen für eine bestehende Erkrankung ist die Wanderröte oder Erythema migrans. Sie tritt meist nach rund sieben bis zehn Tagen auf.
Andere Symptome wie Abgeschlagenheit, leichtes Fieber und geschwollene Lymphknoten treten meist erst nach mehreren Wochen auf. Noch später sind Gelenksentzündungen, und Organbefall zu erkennen. Durch die lange Zeit, die oft ohne Probleme verstreicht, ist es nicht selten schwierig, die eigentliche Ursache für das Unwohlsein nachzuvollziehen.

 

Was ist die Rickettsiose?

Rickettsiosen werden wie eine Erkrankung durch Borrelien durch Bakterien hervorgerufen. In diesem Fall handelt es sich allerdings um die Rickettsien. Diese werden bevorzugt durch Arthropoden übertragen. Das sind die Zecke, Milben, Läuse und Flöhe. Diese Parasiten kommen durch den Biss oder Stich eines an Fleckfieber erkrankten Wirtes an die Bakterien.

Sie werden dann durch den Kot wieder ausgeschieden. Erfolgt nun ein Biss bei einem anderen Wirt und kratzt dieser sich an der Bissstelle, so können diese Keime in die Haut gelangen. Von dort gelangen sie weiter in den Blutstrom und verteilen sich im gesamten Körper.

Bei den Rickettsien handelt es sich um eine Gruppe von Stäbchenbakterien mit speziellen Eigenschaften. Die Erkrankungen, die hervorgerufen werden, sind Arten von Fleckfieber. Benannt wurden die Bakterien nach Howard Ricketts, einem amerikanischen Mikrobiologen. Er beschrieb im Jahr 1906 erstmals diese Bakterien als Erreger des Rocky-Mountains Fleckfieber.

Überträger sind in Mitteleuropa selten, kommen aber dennoch vor.

Generell sind Bakterien dieser Gattung auf der ganzen Welt verbreitet. Eine Übertragung durch die Zecke in Deutschland wurde erstmals im Jahr 2019 nachgewiesen. Der Überträger ist die Hyalomma-Zecke, die ursprünglich aus den Tropen stammt. Durch die Klimaveränderung steigt ihr Bestand auch in Mitteleuropa.

Sie lässt sich leicht von der in Deutschland heimischen Zecke, dem Gemeinen Holzbock unterscheiden. Sie ist deutlich größer und hat gestreifte Beine. Erkrankungen sind in Mitteleuropa demnach bis heute sehr selten. Deutlich häufiger wird die Erkrankung von Reisenden importiert.

Symptome einer Erkrankung

Die Bakterien wirken sich sehr unangenehm auf die Gesundheit des Menschen aus. Rund 10 bis 14 Tage nach dem Biss eines Parasiten setzen unvermittelt die ersten Symptome auf. Diese ähneln jenen einer Grippe. Es kommt zu starken Kopfschmerzen, Muskel- und Gliederschmerzen. Der Patient hat ein sehr ausgeprägtes Gefühl einer Erkrankung und wird lethargisch. Das Fieber steigt in der Regel in den ersten beiden Tagen bis auf 41°C an. Dabei kann es zu Schüttelfrost kommen.

Ab dem vierten bis siebten Tag kommt es zu einem markanten Hautausschlag, der sich vom Rumpf bis auf Arme und Beine ausbreitet. Dabei bleiben Gesicht, Hand- und Fußflächen unberührt. Man spricht von einem Exanthem. Das Besondere an diesem Ausschlag ist die Färbung. Es zeichnet sich ein regelrechtes Bild mit hochroten, rosafarbigen oder lila Flecken. Hautblutungen können dabei ebenso vorkommen.

Zu diesen Symptomen können Unruhe, Zittern, Bewusstseinsstörungen, Sprachstörungen und Gewalttätigkeit kommen. Patienten mit Fleckfieber sind anfällig für Sekundärinfektionen wie Lungenentzündung, Herzmuskelentzündung und Hirnhautentzündung.

Diagnose der Erkrankung

Treten entsprechende Symptome auf, sollte sich die betroffene Person unbedingt in ärztliche Beratung begeben. Um eine Diagnose zu erstellen, benötigt dieser Informationen. Wichtig ist:

• Hatte der Patient Kontakt zu Läusen?
• Wurde ein Zeckenstich bemerkt?
• Wie lange besteht das Fieber?
• Wann und wie hat sich der Hautausschlag entwickelt?

Durch einen Bluttest können Antikörper nachgewiesen werden, die der Körper gegen die Bakterien gebildet hat. Dazu wird der Arzt Krankheiten ausschließen, deren Symptome jener des Fleckfiebers ähneln. Erstellt der Arzt die Diagnose Fleckfieber, so muss er das zuständige Gesundheitsamt informieren. Erkrankungen durch Rickettsien sind in Deutschland meldepflichtig!

Behandlung

Unbehandelt können diese Erkrankungen zum Tod des Patienten führen. Eine rechtzeitige Therapie bringt jedoch eine gute Prognose mit sich. Je stärker das Immunsystem ist, desto besser wird die Behandlung anschlagen.

Eine Behandlung kann mehrere Monate dauern. Die Erfolgschancen sind abhängig vom allgemeinen Zustand der Gesundheit und der Funktion des Immunsystems.

Vorbeugung ist von großer Bedeutung

Aufgrund der Schwere der möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit kommt der Prophylaxe große Bedeutung zu. Nachdem die gefährlichen Bakterien durch Parasiten übertragen werden, sind entsprechende Insektizide sinnvoll. Spezielle Repellents sind auch gegen Zecken wirksam. Dazu ist entsprechende Hygiene ein absolutes Muss.
In Zeckengebieten empfiehlt es sich, lange Kleidung zu tragen und den Körper nach dem Aufenthalt im Freien nach den Blutsaugern abzusuchen. Das gilt vor allem in tropischen Regionen. Ein Impfstoff gegen die unangenehmen Bakterien steht derzeit nicht zur Verfügung.

 

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